Fraktionssprecher Wolfgang Ludwig führt durch den Abend
Wahlveranstaltung mal anders: Information, Musik und Unterhaltung
SPD spielt kein Theater, aber gastiert im TheaterSAAL
Trotz Schneegestöber und widrigen Straßenverhältnissen haben sich mehrere Besucher und Besucherinnen am vergangenen Donnerstag zur Wahlveranstaltung der SPD im Theaterraum des TheaterSAAL in der Hafenstr. eingefunden und dies nicht bereut! Der Grund für diese Behauptung spiegelt sich in der Feststellung eines Bürgers wider, der als Fazit seiner Eindrücke folgenden Satz formulierte: „So eine ideenreiche Gestaltung einer Informationsveranstaltung eingebettet in Musik, gepaart mit humoristischen Beiträgen zeigt mir bereits im Vorfeld, welche kreativen Köpfe sich hier den Bürgerinnen und Bürgern zur Kommunalwahl stellen“.
Herbert Seidl aus Mitterfecking am Kontrabass, selbst Kandidat um ein Gemeinderatsmandat, brachte seine Musikerfreunde Elmar Pürkenauer und Günter Tutsch mit zur SPD nach Saal, um zusammen mit „spezial guest“ Mirjam Grünbeck auf der Klarinette, ebenfalls Kandidatin auf der SPD Liste, den Wahlabend musikalisch zu umrahmen, was ihnen durch ihr umfangreiches Repertoire hervorragend gelang.
SPD Fraktionssprecher Wolfgang Ludwig, der zwischenzeitlich am längsten im Saaler Gemeinderat tätig ist, erläuterte eingangs den Unterschied zwischen Pflichtaufgaben und freiwilligen Aufgaben einer Gemeinde, zwischen denen es grundsätzlich zu unterscheiden gilt. Möglicherweise haben dies andere Gruppierungen und Parteien bis heute nicht verstanden, was man durch manche Wahlaussagen wohl so deuten muss. Der größte Teil der Haushaltsausgaben wie Straßen, Feuerwehr, Schulen, Kindergarten und Wasserversorgung geht in die Verwaltung und sind Pflichtaufgaben, deren Umsetzung aufgrund verschiedener Kriterien, meist auch von überörtlichen Stellen, mitbestimmt werden. Um dies nur an einem Beispiel festzumachen: Es ist ein leichtes den Bürgern zu versprechen, dass bei einer neuen Wasserversorgung sich der Wasserpreis nicht erhöhen darf (denn, wer will das schon?) , jedoch Beiträge kostendeckend verrechnet werden müssen. Deshalb habe sich die SPD mit ihrer Bürgermeisterkandidatin Ramona Wieland nur auf Wahlaussagen beschränkt, die durch eine Gemeinderatsmehrheit auch umsetzbar sind.
Bevor sich die Listenkandidatinnen und Kandidaten den Anwesenden persönlich vorstellen und ihre Beweggründe für eine Gemeinderatskandidatur den Zuhörern vermitteln konnten, erheiterte SPD Vorstandsmitglied Rita John mit einem Gedicht darüber, wie sich im Vorfeld der Wahlvorbereitungen die Werbung und Suche nach geeigneten Listenkandidaten hätte abspielen „können“ . Um die Spannung auf die Vorstellung der Bürgermeisterkandidatin Ramona Wieland noch etwas zu verstärken, brachte Rita John im Anschluss darauf, die humoristisch dargebrachte Geschichte: Mein Papa ist ein Bürgermeister! wobei sie logischerweise zu der Erkenntnis kam: ...„und die Moral von der Geschicht, einen Bürgermeister brauch ma nicht, sondern geht es nach meinem Sinn, für Saal ne Bürgermeisterin“.
Beflügelt durch diese Worte stellte Ramona Wieland den Interessierten ihre Hauptvorhaben als künftige Bürgermeisterin vor. So sei ihr eine lebendige Gemeinde mit Einbeziehung aller interessierten Bürgerinnen und Bürger, vor allem auch der Jugend, eine Herzensangelegenheit. Um dies zu verwirklichen, erläuterte sie die Forderung nach einer Gemeinwohl-Bilanz und die Gründung eines Jugendparlaments. Dadurch werde den Bürgerinnen und Bürgern Mitbestimmung ermöglicht und auch wieder das Demokratiebewusstsein gestärkt. Dem Gedanken vieler in der Bevölkerung, dass überall „nur über ihre Köpfe hinweg“ Entscheidung getroffen werden, muss man entschieden entgegen treten. Deshalb genüge es nicht, einige Male Bürgerversammlungen abzuhalten und darüber zu berichten, was alles gemacht wurde, sondern die Einbeziehung der Bevölkerung aufgrund einer Bedarfsermittlung. „Wer, wenn nicht unsere Leute vor Ort“, so Ramona Wieland, „weiß wohl besser, was sie vor Ort benötigen, wie sie sich ihre Zukunft und die ihrer Kinder und Enkelkinder vorstellen und wie die Gestaltung hierzu auszusehen hat?“. Als weiteren Schwerpunkt, der ihr auch schon aufgrund ihrer breit gefächerten beruflichen Erfahrungen als Bauleiterin äußerst wichtig ist, ist die Diskussion über den Abriss der sog. „alten Mädchenschule“ in Saal. So sei es für sie nicht hinnehmbar, dass wieder einmal ein historisches Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fällt und eine erhaltenswerte gute Bausubstanz nicht durch eine grundlegende Sanierung einer weiteren Verwendung zugeführt werden soll. Die Kosten einer Sanierung sind überschaubar gegenüber eines Neubaus oder gar eines Verkaufs und der dadurch erneuten Beseitigung eines Teil der Saaler Geschichte. Kommunale Verwendungsmöglichkeiten hierfür gebe es genügend. Ramona Wieland und die Kandidierenden könnten sich dort die notwendig gewordene Erweiterung der Saaler Kinderbetreuungsmöglichkeit vorstellen und/oder die Verlagerung der Saaler Bücherei, für die die jetzigen Mietkosten relativ hoch sind.
Als gelungenen Abschluss des Abends konnte sich Rita John, vielen noch bekannt aus der vor Jahren landkreisweit bekannten SPD Frauenkabarettgruppe „die Tollkirschen“ nicht verkneifen, das bereits im Jahr 1958 getextete und komponierte Lied von Hermann Leopoldi aus Österreich mit dem Titel: „Der Krankenkassenpatient“ gesanglich zum Besten zu geben mit dem Hinweis an alle: „Leut passt auf, wem ihr, egal bei welcher Wahl, eure Stimme gebt“.

Rita John sorgt für beste Unterhaltung