Rita´s Albtraum

Veröffentlicht am 14.03.2020 in Kommunalpolitik

Als ich am Montagmorgen beim Frühstück den MZ-Bericht „Debatte um das Seniorenheim entschärft“ gelesen habe, hatte ich eine kurze Zukunftsvision. Ich, jetzt 65 Jahre, sah mich, wie ich in einigen Jahren - als gebürtige Saalerin trotz ellenlanger Warteliste bevorzugt - in einem modern ausgestatteten Einzelzimmer im neu gestalteten Erweiterungsbau des Saaler Seniorenheims untergebracht war. Meine Lieben wollten

ja nur das Beste für mich! Mein Blick schweifte aus dem selbstverständlich vorsorglich mit Schallschutz versehenen Fenster und ich starrte auf die Betonwände eines mehrstöckigen Parkhauses. Unten, auf der viel befahrenen Bahnhofstraße, kurbelten Busfahrer in ihren Ungetümen hin und her, um den schwierigen Wendeprozess zu bewerkstelligen. PKW`s stauten sich auf dem Bahnhofsgelände, da viele Saaler, und vor allem auch die aus den umliegenden Ortschaften, ihre Lieben, von den inzwischen im 20 Minutentakt fahrenden Personenzügen der Hauptverbindungstrecke Regensburg/Ingolstadt, abholten. Lag der graue Nebelschleier da unten nur an meinem altersbedingt schlechter werdenden Augenlicht? Einige Verladekräne bewegten sich träge auf dem noch relativ neuem Gewerbegebiet in Richtung Untersaal hin und her. Bereitgestellte Güterwaggons wurden auf dem Industriegleis mit Containern be- und entladen. Und da war er wieder - der tägliche Wahnsinn! Ich wurde jäh aus meiner tristen Alltagsbeobachtung gerissen. Die Glocken des angrenzenden Turms der evangelischen Kirche begannen zu läuten. Ich riß mir meine Hörgeräte aus den Ohren, hielt sie mir zu, steckte mir stattdessen, so schnell es eben ging, erst links, dann rechts die schon bereitliegenden Ohropax in den Gehörgang und stülpte mir zusätzlich noch mein Bettkissen über den Kopf. Doch das Läuten, das ich früher immer so geliebt hatte - gehört es doch zweifelsfrei zu unserer Kultur und unserem Lebensstil - raubte mir meine letzten noch vorhandenen Nervenzellen. Wohin fliehen? Auf den ach so schön anmutenden Dachgarten? Obwohl ich wusste wie widersinnig dies war, hatte ich dieses doch schon des öfteren gemacht - startete ich trotzdem den Versuch. Aber nein - die unerträgliche Hitze dort oben und die am Dach noch kräftiger wahrnehmbare Glockenlautstärke ließen mich sofort wieder in mein „Komfortzimmer“ zurückkehren. In meiner Verzweiflung klingelte ich nach dem Pflegepersonal. Trotz des „kurzen und damit als wirtschaftlich am besten propagierten Weges“ zu mir in den Erweiterungsbau, kam die Schwester erst nach ca. 15 (gefühlten 60) Minuten. Fast weinerlich und etwas vorwurfsvoll fragte ich sie, warum sie denn erst jetzt käme, ich bräuchte bis morgen früh unbedingt wieder eine neue Ration dieser blauen Ohrstöpsel. Daraufhin erwiderte sie gelassen: „Rosana, e nix verstehn was du wollen wenn Glocke an Kirche läute und neue Lieferung von Ohrstöpsel noch nicht da, weil alle Personal in neue Bau wegen Tinnitusgefahr tragen müssen - weißt scho - wegen Arbeitsschutz!“ Als ich meiner Enkeltochter bei ihrem nächsten Besuch wieder einmal mein Leid klagte, hatte sie mich in Staunen versetzt als sie tröstend zu mir sagte: „Ja Oma, woast denn du des no net - da B&Z hot doch eitz aa no de evangelische Kircha kafft und dann werst in deim Kammerl bold a Ruah hobm“.

Eure Rita John

 

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